Ehrenamt im Amateurfußball: Wie Vereine den Spielbetrieb sichern
Samstag, kurz nach sieben Uhr morgens. In der Kabine brennt schon Licht, der Platzwart zieht die Linien nach, in der Vereinsküche läuft die erste Kanne Kaffee durch. Anstoß der E-Jugend ist erst um neun. Doch ohne diese frühen Stunden würde am Wochenende kein einziges Spiel angepfiffen, weder bei den Kleinsten noch bei den Herren.
Wenn über Amateurfußball gesprochen wird, geht es meist um Tore, Tabellen und die Stimmung am Spielfeldrand. Was die Menschen auf den Rängen ausmacht, haben wir im Beitrag über Fankulturen und Traditionen im Fußball beschrieben. Diesmal geht es um die Helfer im Hintergrund, ohne die der Spielbetrieb schlicht zusammenbrechen würde.
Ohne Ehrenamt kein Anstoß
Ein Amateurverein funktioniert wie ein kleines Unternehmen, nur dass fast niemand dafür bezahlt wird. Vom Spielbetrieb über die Finanzen bis zur Pflege der Anlage hängt praktisch jeder Bereich an Freiwilligen, und zwar das ganze Jahr über, nicht nur an Spieltagen. Die Liste der Aufgaben, die Woche für Woche anfallen, ist lang:
- Sportlicher Betrieb: Trainer und Betreuer im Jugendbereich, Schiedsrichter, Spielleitung und Passwesen.
- Verwaltung: Kassenwart, Schriftführer, Mitgliederpflege und die Kommunikation mit dem Verband.
- Platzpflege, Trikotwäsche und der Verkauf von Bratwurst und Kaltgetränken am Spieltag.
- Fahrdienste der Eltern, ohne die kein Auswärtsspiel der Jugend stattfinden könnte.
Viele dieser Posten sind über Jahre in denselben Händen. Genau darin liegt das Risiko: Hört eine Schlüsselperson auf, gerät der ganze Verein ins Wanken. Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband unterstützt seine Klubs deshalb mit einem eigenen Bereich für Ehrenamt und Freiwilligenmanagement, von der Beratung bis zur Auszeichnung verdienter Helfer.
Ein Spieltag hinter den Kulissen
Wie viel Arbeit in einem einzigen Heimspieltag steckt, zeigt ein Blick auf den Ablauf. Bevor der Schiedsrichter zum ersten Mal pfeift, haben Ehrenamtliche den Platz gekreidet, die Netze geprüft, die Kabinen aufgeschlossen und den Spielberichtsbogen vorbereitet. Während der Partie kümmern sich Betreuer um Auswechslungen und kleine Verletzungen, am Grill und an der Kasse stehen weitere Freiwillige. Läuft alles glatt, bemerkt kein Zuschauer, wie viele Hände dafür nötig waren, und genau das ist der Punkt: Gutes Ehrenamt fällt erst auf, wenn es fehlt.
Nach dem Abpfiff ist längst nicht Schluss. Trikots einsammeln, Einnahmen zählen, den Platz abziehen, das Ergebnis melden: All das geschieht, während die Zuschauer schon auf dem Heimweg sind. Wer die Stunden zusammenrechnet, kommt bei einem gewöhnlichen Jugendspieltag schnell auf ein Pensum, das mehrere Arbeitstage füllen würde.
Dazu kommt die Arbeit unter der Woche, die kaum jemand sieht. Trainingszeiten mit anderen Abteilungen abstimmen, Passanträge stellen, Schiedsrichter für Freundschaftsspiele organisieren, den Zuschuss bei der Gemeinde beantragen. Vieles davon läuft heute digital, was jüngeren Helfern entgegenkommt, ältere Vorstandsmitglieder aber vor neue Hürden stellt. Auch das ist eine Aufgabe für den Verein: die eigenen Leute bei solchen Umstellungen nicht allein zu lassen.
Neue Helfer finden und halten
Der Nachwuchs an Freiwilligen kommt nicht von allein, darum lohnt sich ein planvolles Vorgehen. Bewährt hat sich, große Ämter in kleine, klar umrissene Aufgaben zu zerlegen: Wer nur alle vier Wochen den Grill übernimmt, sagt eher zu als jemand, der gleich einen Vorstandsposten fürchten muss. Der Deutsche Olympische Sportbund bündelt auf seinem Portal zu Ehrenamt und Engagement im Sport Arbeitshilfen, mit denen Vereine ihre Freiwilligenarbeit strukturieren können.
Genauso wichtig ist Anerkennung. Ein Dank auf der Weihnachtsfeier, ein Bericht auf der Vereinswebsite oder die Nominierung für Auszeichnungen wie den DFB-Ehrenamtspreis kosten wenig und wirken lange. Für die Qualifizierung neuer Übungsleiter und Vereinsmanager bietet der Landessportverband Schleswig-Holstein Aus- und Fortbildungen an, die auch kleinen Klubs offenstehen.
Und schließlich hilft der direkte Weg: persönlich ansprechen statt Aushang. Wer gezielt gefragt wird, ob er eine konkrete Aufgabe übernimmt, fühlt sich gebraucht. Ein Zettel am Schwarzen Brett erreicht dagegen fast niemanden. Besonders gut funktioniert die Ansprache übrigens bei Eltern neuer Jugendspieler, die ohnehin jedes Wochenende am Platz stehen und oft nur auf eine Einladung warten.
Was Helfer selbst davon haben
Bei allem Pflichtgefühl wird gern übersehen, dass Ehrenamt keine Einbahnstraße ist. Wer im Verein Verantwortung übernimmt, lernt Dinge, die im Berufsleben bares Geld wert sind: Veranstaltungen organisieren, mit Ämtern verhandeln, Konflikte zwischen erhitzten Eltern schlichten. Manche Jugendtrainerin entdeckt dabei ein Talent fürs Anleiten, mancher Kassenwart seine Freude an Zahlen.
Und es gibt den sozialen Ertrag, der sich schwer beziffern lässt. Der Sportplatz ist in vielen Gemeinden der Ort, an dem sich Alteingesessene und Zugezogene tatsächlich begegnen. Wer dort hinter der Theke steht, kennt nach einer Saison das halbe Dorf.
Fazit: Wertschätzung ist keine Nebensache
Vereine, die ihr Ehrenamt pflegen, sichern ihren Spielbetrieb; wer es schleifen lässt, verliert erst Helfer und dann Mannschaften. Deshalb gehört Freiwilligenarbeit ganz oben auf die Agenda jedes Vorstands, gleichrangig mit dem sportlichen Erfolg. Der Aufwand ist überschaubar, der Ertrag enorm: Ein Klub mit zwanzig verlässlichen Helfern übersteht auch schwierige Saisons, sportlich wie finanziell.